Vertrauen

Früher war ich oft den ganzen Tag damit beschäftigt, mich über irgendetwas aufzuregen, was nicht klappte. Und glaubt mir, bei mir klappt IMMER irgendetwas nicht. Ständig war ich am Hetzen, um etwas in Ordnung zu bringen, was von alleine nicht funktionierte. Ständig war ich am Suchen, am Maulen, am Jammern, am Michbeschweren. Kaum jemand kann auch nur mit meinem unteren Lebens-Tempo mithalten, so dass ich mich meistens auch noch darüber aufgeregt habe, dass alles so langsam und schneckengleich vorangeht. Der innere Druck manifestiert sich im Außen. Die neue Tasche geht kaputt, das Handy liegt daheim in der Ladestation und ein wichtiger Mitarbeiter meldet sich einfach nicht.
Irgendwann habe ich gemerkt, dass es dadurch nicht schneller geht. Im Gegenteil, wer hetzt, macht auch mehr Fehler. Wer sich selbst Druck macht, verhindert kreative Lösungen. Wer anderen Druck macht, beendet (oder verschlechtert) Freundschaften. Probleme ziehen Probleme an, weil man in einer Problem-Energie ist. Es fällt was um, man vergisst etwas und überdurchschnittlich viele Dinge geben ihren Geist vorzeitig auf. Sehr unentspannt, diese Taktik.

Wie geht es besser? Wie kommt man aus diesem Hamsterrad wieder raus? Das Zauberwort lautet Vertrauen. Vertrauen ins Leben. Vertrauen, dass sich alles zum Guten wendet. Vertrauen, dass alles irgendeinen Sinn hat, auch wenn wir ihn (noch nicht) erkennen können. Vertrauen, dass alles, was wir brauchen, zur idealen Zeit und auf die perfekte Weise zu uns kommt. Egal, wie unmöglich einem das anfänglich vorkommt, man kann es lernen und trainieren. In ganz kleinen Schritten. Anfänglich mit kleinen, weniger wichtigen Ereignissen. Der Computer spinnt. Ich kann mich jetzt total hysterisch dahinter klemmen und sämtliche Knöpfe tausend Mal drücken und hoffen, dass er irgendwann wieder funktioniert. Stundenlang. Ich habe das schon wochenlang gemacht. Immer und immer und immer wieder. Hatte ich Erfolg damit? Ja, oft. Aber der Preis ist hoch, denn in dieser Zeit, in der ich eine Arbeit mache, von der ich gar keine Ahnung habe, muss alles andere, auch die Familie hintenanstehen.

Heute würde ich das nicht mehr machen. Heute gehe ich ins Vertrauen, dass ich eine Möglichkeit finde, die besser ist als meine irre Versuch-Irrtum-Tastendrück-Aktion. Heute mache ich das Teil einfach aus, nehme mir einen Kaffee und vertraue, dass ich irgendjemanden fragen oder beauftragen kann, der das besser drauf hat als ich (und das ist faktisch jeder). Bei fast allen Problemen lohnt es sich, einfach mal einen Gang zurückzuschalten und sich alles von außen anzuschauen. Sich zu fragen, was einem das Leben mit genau dieser Situation eigentlich sagen will. Ruhe zu bewahren und offen zu sein für Lösungen, die man in Hektik und Verzweiflung überhaupt nicht auf dem Schirm hätte. Hilfe anzunehmen und tief Luft zu holen. Vielleicht wird es ja sogar viel besser als vorher.

http://www.gabischmitt.com

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