Wer ein Ziel hat, der kommt weiter

Warum denke ich denn überhaupt, dass ich euch was über Struktur und Ordnung erzählen kann?  Gerade ich, die ich so oft in Nullkommagarnix jede Menge Chaos um mich herum verbreite und die ich irgendwie immer jemanden brauche, der hinter mir steht, weil ich noch nicht kapiert habe, dass ich nur zwei Hände und damit eine begrenzte Festhalte-Kapazität habe?

Nun, wenn ich etwas wirklich, wirklich, wirklich will, dann ziehe ich das durch. Punkt. Basta. Mit 11 Jahren wusste ich, dass ich Psychologin werden will. Ich wollte meinen damals gerade geborenen Bruder zu mir nehmen, weil ich spürte, dass er bei mir besser aufgehoben wäre als bei unserer Mutter, bei der ich selbst nur die ersten drei Jahre verbracht habe. Ich las damals schon alle Bücher, die mir über Pflegekinder, Traumatherapie und Psychologie in die Hände fielen. Und mit 18 Jahren nahm ich meinen Bruder tatsächlich zu mir. Mit 24 Jahren kam dann ein weiterer Wendepunkt in meinem Leben. Ich war frisch getrennt von meinem Mann, hatte einen 3jährigen Sohn, meinen 13jährigen Bruder, meine 86jährige Großmutter, Hunde, einen Kleintierzoo und fragte mich, ob das jetzt genau das ist, was ich in meinem Leben machen wollte??? Nein, das war nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Da fehlte noch was. Also erkundigte ich mich danach, was ich machen musste, um Psychologin zu werden. Denn mein Kindheitstraum war noch lange nicht begraben. Da ich dooferweise noch kein Abitur hatte, musste ich dort anfangen. Abendkurse waren nichts für mich, da ich ja Oma und Kinder nicht alleine lassen konnte. Außerdem bin ich sehr freiheitsliebend und Schule passt da nicht so ganz in mein Konzept. Was blieb also? Ein Fernkurs! Angeblich kann man sowas ja ganz easy neben seinem Job machen mit einer Stunde Arbeit am Abend – oder so. Nun ja, eher „oder so“. Jeden Monat trudelten Lehrbriefe ein. Grüne Hefte, in denen lauter uninteressante Dinge standen. Die ich aber nichtsdestotrotz alle lernen musste. Nicht nur lesen, sondern LERNEN. Ohne Lehrer, ohne Schulkameraden und damals oft noch ohne weitere Literatur. Ich denke oft, wie toll das heutzutage wohl mit Internet ist – nun, das gab es aber 1990 noch nicht. Das war noch voll oldschool und gefühlt sehe ich mich lange Jahrzehnte am Küchentisch sitzen und irgendwas Wichtiges aus meinen Heften raus schreiben. Eine Anfrage an den Lehrer bei einem Problem mit dem Stoff dauerte ungefähr 2 Wochen – so mit Briefen und Post. Bis dahin hatte ich schon längst vergessen, warum ich das eigentlich wissen wollte. Whatsapp war ja leider noch nicht.

Was habe ich damals tatsächlich gelernt? Niemals aufgeben. Immer weitermachen. Auch wenn es mal unschön ist. Inmitten von Familienwahnsinn und Haushaltsansprüchen saß ich da mit meinen grünen Heften, die irgendwie niemals weniger wurden. Und ja, in diesen Jahren war immer irgendwas. Weihnachten (war eigentlich jedes Jahr), Geburtstage, Schulferien, kranke Kinder, kranke Oma, krankes Ich, Renovierung, whatever. Es hätte wirklich ausreichend Ausreden gegeben. Jeder hätte mitfühlend und tröstend zu mir gesagt: „Ja, ist doch total verständlich, dass du damit aufhörst. Bei alledem, was du sonst noch machen musst. War ja von Anfang an klar, dass das nicht zu schaffen ist!“ Äh? Ja, klar, hätte man so machen können. Wollen wollte ich das aber nicht. Denn siehe oben: wenn ich was wirklich will, dann ziehe ich das auch durch. No Ausreden. Und ja, das Geld hatte ich auch nicht so einfach „über“. Jeden Monat musste ich neu überlegen, wo ich über 300 Euro herbekomme. Auch da mussten Kompromisse geschlossen werden und leicht war das tatsächlich nicht. Dann noch die Präsenz-Veranstaltungen und die Prüfungen und…. Es kam schon einiges zusammen und noch vieles mehr an Problemen, die eher fachlicher Art waren. Nicht jedes Fach liegt einem. Aber im Endeffekt zählt nur das Ergebnis: ich hatte mein Abitur in der Tasche und konnte nun studieren.

Wie oft habe ich anschließend gehört: „Was? Du bist Psychologin? Das wollte ich ja auch immer werden. Aber bei mir ging das nicht, weil……“ Und dann kam ne ganze Latte an furchtbar wichtigen Gründen, warum der/die andere niemals anfing. Niemals anfangen konnte. Ganz unmöglich. Weil: „Ich habe kein Abitur. Ich habe kein Geld. Ich kann kein Mathe. Ich habe Kinder. Ich will irgendwann Kinder. Ich habe einen Hund. Ich habe eine Katze. Ich habe einen Hamster. Ich habe keinen Schreibtisch. Mein Nachbar macht immer so laute Musik…… “

Anfangs blühte ich bei diesem Thema immer auf und gab Tipps und Ratschläge…. bis ich bemerkte, dass sich dadurch bei den anderen gar nichts änderte. Ich half damit niemandem. Warum? Weil gar keine Hilfe gewollt wurde. Das waren keine Ziele, das war „nur so dahingesagt“. Ach, ich wäre ja gerne – aber es darf halt keine Mühe und keine Anstrengung kosten. Mit der Zeit habe ich gelernt, einfach meine Klappe zu halten und abzuwarten. Die, die etwas wirklich wollen, die kommen alle tatsächlich noch mal auf mich zu und fragen auch ein zweites und drittes Mal nach. Wenn man etwas wirklich will, dann entwickelt man Bärenkräfte. Und dann kann man plötzlich organisieren. Und einteilen. Und weitermachen. Und Rückschläge einstecken. Und sich jeden einzelnen verd… Morgen neu für sein Ziel entscheiden.

In dieser Zeit, mit allem, was so an mir dran hing, habe ich gelernt, ein Leben mit ganz vielen Aber´s und Wenn´s zu strukturieren und zu organisieren. Wenn man 8 Stunden schlafen will, 12 Stunden lernt, 4 Stunden Familienzeit hat, dann kann man halt nicht noch 6 Stunden putzen und den Haushalt erledigen. Dann muss eine gewisse Grundordnung hergestellt und mit möglichst wenig Zeitaufwand beibehalten werden. Weil es einfach wichtigeres im Leben gibt und man trotzdem nicht im Dreck verkommen will.

Und deshalb findet ihr meine Tipps für Chaoten hier:

https://elopage.com/s/chaotischesleben

Die_minutenaufgaben.png

 

 

 

http://www.gabischmitt.com

 

 

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