Hyperfokus auf das Chaos

Gestern war wieder so ein Chaos-Tag. Kennt ihr die? Die Tage, an denen irgendwie nix klappt und an denen Murphy´s Gesetz, dass alles schiefgehen kann, was schiefgeht, zu Hochform aufläuft? Mal so am Rande: heißt es eigentlich „Hyperfokus auf das Chaos“ oder „Hyperfokus auf dem Chaos“? Egal!

Ich bin verhältnismäßig gemütlich aufgestanden (durfte ja ausschlafen, war schließlich Sonntag), falle vor meine Kaffeetasse, die mein Göttergatte mir vorsorglich schon frühmorgens hinstellt, damit die Zeit zwischen Po-berührt-Stuhl und Mundhöhle-bekommt-Kaffee nicht ganz so lange dauert. Wir sind 25 Jahre zusammen, er weiß, worauf es im Leben ankommt. Dann habe ich dooferweise den Blick auf die Balkontür gerichtet und meine Laune sank sofort um 100 Punkte. Regen, Regen und nochmals Regen. Bäh… Mein Mann und meine Tochter waren schon auf diversen Flohmärkten unterwegs – könnte mir um diese Uhrzeit ja nicht passieren. Morgens ist meine Computer-für-mich-Zeit. Also Blick weg vom Wetter und auf den Laptop. Ich checke Facebook (rein beruflich natürlich – NIEMALS aus privater Neugierde), arbeite hier die Einheiten eines Kurses durch und drucke dort die Sachen eines anderen Kurses aus (ich liebe Kurse!). Dann wird noch etwas online gearbeitet, ich fühle ich herrlich gechillt und entspannt.

In dem Moment, wo der Rest der Familie wieder eintrudelte, tauche ich aus meiner Computerwelt auf und denke Upps – ganz großes Upps – irgendwie haste in der realen Welt nicht ganz soviel geschafft heute? Das Wohnzimmer war immer noch auf dem Stand von 1 Uhr morgens, als ich ins Bett gegangen bin. In der Küche stand noch Mittagessengeschirr vertraut neben Abendessengeschirr. Das Mittagessengeschirr allerdings vom Vortag, denn ich hatte die Küche heute nur von außen gesehen. Der Korb mit sauberer, aber knitteriger Wäsche stand ganz alleine und verlassen da (zu meiner Verteidigung: der stand in der Küche, konnte ich echt nicht sehen, weil ich ja nicht dort war). Und ich – aber das ist jetzt wahrlich nix Neues – nicht ganz so topgestylt in Lilaherzchenschlafanzughose und dazu unpassendem Shirt.

Als mein Mann dann das gekaufte Geschirr auf den Esszimmertisch stellen wollte, aber keinen Platz dafür fand, ahnte ich schon ganz entfernt, dass seine Laune gerade auch um ein paar klitzekleine Pünktchen gefallen war. Im Wohnzimmer gab es dooferweise auch kein Platz mehr, da dort die ganzen Porzellanteile standen, die eigentlich schon längst hätten geknipst sein sollen (ich habe einen Porzellanonlinehandel, wisst ihr ja). Hm….. Wie gesagt, man kennt sich ja schon länger, also schob mein Mann kurzerhand alles auf dem Tisch in die eine Ecke, damit er in der anderen Ecke sein Geschirr unterbringt. Ich hatte jetzt langsam Platzangst, denn ich arbeite ja immer MITTENDRIN, also mit meinem Laptop auf dem Esszimmertisch, damit ich rund um mich rum auch nix verpasse. Klar habe ich insgesamt drei Schreibtische, aber dort ist es laaaaangweilig. Mein Mann ging dann in die Küche, ich atmete ganz kurz auf, bis dann zu ihm durchgedrungen war dass die Spülmaschine immer noch nicht läuft und deshalb das Geschirr noch auf der Ablage steht…. Nun ja, ich erspare euch das. Im Endeffekt hatten wir alle zusammen fix das Chaos beseitigt, mein Mann die Spülmaschine untersucht, leider den Fehler nicht gefunden und deshalb durften Lieblingstochter und ich dann das ganze Geschirr aus der Maschine herausholen (eklig) und von Hand spülen, während Göttergatte ein sehr leckeres Essen zauberte, nach dem es uns dann auch allen besser ging.

Und mal wieder fragte ich mich, warum ich das nicht besser hin bekomme? Hätte ich morgens (nun ja, später-morgens) meinem Haushalt auch nur ein bisschen Aufmerksamkeit gewidmet, wäre hier nicht das absolute Ober-Chaos ausgebrochen und ich hätte den Adrenalinschub dankend verpasst. Wäre irgendjemand auf die Idee gekommen, mich um diese Uhrzeit zu besuchen, hätte ich ziemlich verdöppelt aus der Wäsche geguckt. Und bevor ich dann wieder in Selbstmitleid versinke, weil ich so hausfrauenpflichten-unfähig bin, kommt mir zum Glück immer der Gedanke: „Bei allem schlechten ist auch immer was gutes dabei!“ Die Kehrseite meines Chaos-tums (hab ich heute wieder kreative Wortschöpfungen!) ist…. tatata…. das, was mich ausmacht, nämlich der absolute Fokus auf dem (oder das?), was ich jetzt gerade will. Wo ich hin will. Was ich gerade tue. Was für mich im Moment wichtig ist. Und das ist nicht die aufgeräumte Küche oder das gebügelte T-Shirt. Nein, gar nicht.

Ich habe einen Online-Shop, einen Ebay-Shop, einen Amazon-Shop, drei Blogs (www.porzellankeller.blog, www.chaotisches-leben.com und den etwas vernachlässigten www.porzellanmops.blog), eine private Facebookseite, mit der ich auch netzwerke, meine Porzellankeller-Facebookseite, meine Chaotisches-Leben-Facebookseite, meine Chaotisches-Leben-Gruppe, dazu natürlich Instagram, Pinterest, Google Plus und Twitter. Ich habe mehrere Mastermindgruppen, eine Academy, bei der ich mitmache, aktuell zwei Kurse mit psychologischen Themen, die ich noch beenden muss, und mehrere Kurse eines Verkaufspsychologen, die ich durcharbeite. Das geht alles nicht in ein paar Minuten am Tag. Da braucht es manchmal auch Kreativität, die unter Zeitdruck natürlich nicht entstehen kann. Und nur mit diesem Hyperfokus kann ich dieses Pensum auch bewältigen. Nur mit dieser Fähigkeit kann ich das durchziehen. Und dazu gehört dann auch, dass ich alles andere ausblende. Vorteil: ich komme beruflich weiter. Ich gehe meinen Weg Schritt für Schritt (habt ihr schon mal gehört, ja?) und langsam, aber stetig. Die Wäsche läuft mir nicht davon und das Geschirr schon mal gar nicht (wobei ich ja felsenfest der Meinung bin, dass sich beides sofort vermehrt, sobald ich mal kurz nicht hinschaue). Klar, es muss hier auch mal Klar Schiff gemacht werden und die Familie fordert sich ihre Aufmerksamkeit natürlich auch. Aber die Zeiten, in denen ich so arbeiten kann, das sind MEINE Zeiten. Da darf mich niemand stören, da würde ich am allerliebsten alle vor die Türe setzen, da möchte ich mich gerne mit meinen Laptop irgendwo verkriechen (wenn es dort dann nicht so langweilig wäre). Ich habe die absolute Konzentration und arbeite im Flow, ohne müde zu werden. Nachteil: ich blende vollkommen aus, was um mich herum ist. Ich habe kein Zeitempfinden mehr und merke keine Erschöpfung.

Sollen die Wäsche-, Geschirr-, Wollmaus-Berge sich hier häufen, wie sie wollen. Ich möchte mich gar nicht mehr darüber ärgern, dass ich sie übersehe. Das wird anschließend dann in einer Radikal-Aktion erledigt. Aber die Vorteile überwiegen für mich ganz klar die Nachteile, das habe ich jetzt gerade erkannt.

Und übrigens: man kann den Fokus auf etwas haben („Fokus auf das Chaos“) und man kann den Fokus auf etwas liegen haben („Fokus auf dem Chaos“). Stimmt beides. Und passt beides genau zum Thema. Es kommt immer auf die Sichtweise an 🙂

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