„Das macht man aber so!“

 

„Das macht man so“

Was für ein Satz! Ich wünsche mir dann immer ein Gemüt wie ein Elefant, damit ich ruhig und gelassen drüber hinweggehen kann. Wer mich kennt weiß aber, dass ich eher so ein kleines, hibbeliges Äfflein bin, das dann immer aufgedreht rumhüpfen und schrill kreischen muss.

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Ich habe immer noch keine Ahnung, wer dieser „man“ denn nun ist, der ja wohl alles weiß und alles kann. Denn wir sollen es ja alle so machen, wie er es macht. Niemals anders – sonst funktioniert es nicht. Kann ja gar nicht gut gehen, wenn man es anders macht als „man“.

Du willst Erfolg im Internet haben? Tja, dann musst du nur das machen, was „man“ so macht. Erstes Gebot: unbedingt und auf jeden Fall Email-Adressen einsammeln. Das ist das große Ziel! Denn nur die sind DEIN Eigentum (sind sie das wirklich? Ist ja mal eine Überlegung wert, was diese Einstellung dem Kunden gegenüber aussagt!). Und wenn man diese Adressen endlich hat. muss „man“ dann jeden Monat x Emails rausschicken (nicht zu viel, sonst nervt „man“ ja die Kunden und nicht zuwenig, sonst wird „man“ ja vergessen). Und „man“ muss dann auch noch ne Gruppe bei Facebook haben. Und jeden Tag ein anderes Motto. Und einen Funnel, einen Funnel braucht heutzutage jeder, sonst kommt „man“ ja nicht an die beliebten Emailadressen. Nicht zu vergessen: die Posts auf Facebook müssen um Uhrzeit y veröffentlicht werden, dann sitzt Kunde „man“ nämlich vor dem PC. Hach, und auf jeden Fall noch Facebook-Live-Videos, das braucht „man“ heute auf ganz jeden Fall! Diese Schrift, jene Farbkombination, diese Webseite…..

Und dann wundert „man“ sich daheim vor seinem Computer still und leise und un-öffentlich vor sich hin, warum „man selbst“ denn so wenig Leute erreicht. Warum so wenige sich anmelden und ihre Emailadresse hinterlassen. Warum so wenige liken oder kommentieren. Warum es irgendwie niemanden zu interessieren scheint, was „man selbst“ so macht……

Nö, es liegt nicht immer dran, dass „man“ immer noch nicht alles macht, was „man“ halt so macht. Warum interessiert das die Leute trotzdem nicht? Vielleicht, weil „jeder“ das so macht? Das ist nämlich die kleine Schwester von „man“. Wenn „jeder“ es so macht, dann hat vielleicht „keiner“ Bock drauf? „Keiner“ ist übrigens die Cousine der beiden.

Ich bin gefühlt den ganzen Tag im Internet unterwegs. Ich bekomme so viele Newsletter und so viele Angebote, dass ich das eine nicht mehr vom anderen unterscheiden kann. Es ist einfach zuviel geworden – und jeder macht das, was „man“ macht. Also ist alles tendenziell austauschbar. Es ist schon fast egal, ob man den Newsletter von x oder von y liest. Ob man das Angebot von a oder von b annimmt. Und (fast – ich will ja hier auf gar keinen Fall verallgemeinern 🙂 ) immer kommt dann ein Schwall von 10 Emails hinterher (Funnel!), der einfach nur nervt, weil in jedem eigentlich nur steht: „Kaufen“. Null Mehrwert, null interessante Beiträge, null Authentizität. Denn DIE fehlt mir bei den allermeisten: es ist so allgemeingültig und nichtssagend. „Man“ halt.

Und deshalb habe ich mich bei Facebook vorerst gegen eine Gruppe „Chaos-Leben“ entschieden. Weil ich mich freue, dass die Menschen, die „mich“ lesen, so gerne liken und kommentieren. Warum sollte ich sie denn mühsam in eine Gruppe rüberhieven, wenn sie sich doch anscheinend in meinem Wohnzimmer – äh, auf meiner Facebookseite – wohlfühlen? Warum sollte ich denn jetzt partout ihre Emailadresse verlangen, wenn sie mir rückmelden, dass sie das nicht möchten? Warum sollte ich sie mit Beiträgen vollwerfen, für die ich mich abmühen und quälen muss?

Ich mag „man“ nicht. Klar, manchmal ist etwas tatsächlich sinnvoll, was „man“ macht. Dann muss ich ja nicht aus Trotz das Rad neu erfinden. Aber ansonsten mache ich lieber alles so, wie „ich“ es will. Deshalb gibt es Beiträge auf meiner Seite dann, wenn sie mir in den Kopf springen. Ob das jetzt morgens um halb 7 ist oder spätabends um 22 Uhr. Es gibt (noch) keine Videos, weil ich mich damit einfach nicht wohl fühle. Und ich schreibe so, wie ich auch reden würde. Warum? Weil ich gar nicht anders kann. Und weil es „mir“ sonst keinen Spaß machen würde. Ob „man“ eigentlich Spaß an all dem vorgefertigten Zeugs hat?

Übrigens gibt es „man“ hier auch in einer privaten Version.

 

Nachtrag:

Und ausgerechnet ich habe jetzt gleich zwei Gruppen, die ich total liebe 🙂 Nicht, weil „man“ das so macht, sondern weil es sich irgendwann aufgrund mangelnder Reichweite der Seiten bei Facebook einfach so ergeben hat.

Da wäre einmal die Gruppe „Porzellankeller Schmitt Gabi Gruppe“.  Ich bekomme so oft wundervolles Geschirr angeboten, das ich leider nicht gebrauchen kann, weil ich fast nur Villeroy & Boch sowie Rosenthal verkaufe. Außerdem liebe ich es, mir Porzellan anzuschauen und ich liebe es noch viel mehr, den persönlichen Geschichten dahinter zuzuhören. Das andere ist meine Gruppe „Cool im Chaos“. Sie ist einfach aus meiner Facebookseite „Chaotisches Leben“ entstanden, weil die Gruppe ein etwas geschützterer Raum ist, wo nicht jeder jeden Beitrag lesen kann.

 

 

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