Reagieren statt Agieren

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Kennst du das auch? Du stehst morgens auf und irgendwie hängt sich eine Arbeit an die andere. Nichts Weltbewegendes, nichts Dramatisches. Aber noch was und noch was….. Du schaffst es gerade mal, dich zwischendurch einigermaßen korrekt anzuziehen und die Haare nach jedem Raufen wieder in Form zu bringen. Schnell noch aufs Amt, dabei kann man Kind 1 noch abholen, liegt ja auf dem Weg. Auf dem Weg liegt auch die Post, also schnell noch das Paket fertigmachen und mitnehmen. Das Kind drängelt schon, es muss weg. Und wenn man schon mal im Ort ist, dann kann man ja auch gleich einkaufen gehen – sehr geschickt, dann muss man nachmittags nicht mehr raus. Und wenn man noch 10 Minuten wartet, kann man Kind 2 noch mitnehmen – also quasi Kind 1 und 2 austauschen. Ist ja egal, wer mit im Auto sitzt. .So, daheim angekommen ist man noch ganz stolz auf sich, weil man ja so viele Arbeiten zeitsparend in einem Aufwasch hinbekommen hat…. sehr geschickt und zeitsparend.

Nun jetzt nur noch schnell den Einkauf aus dem Auto und ab in den Kühlschrank bzw Speiseschrank… menno, das schmutzige Geschirr ist in der Küche aber jetzt wirklich im Weg. Schnell mal abspülen, ist ja nicht viel. Klingelingeling…. der Paketbote ist da. Schön, drei Pakete angekommen. Die packt man erst mal aus – ach, so ein Mist, da ist was kaputtgegangen. Schnell an den Computer, bevor man es vergisst: ein Foto machen, eine Reklamation an den Verkäufer schicken und weil man grad schon mal da sitzt, schnell die Emails checken. Wie gut, dass man nachgeschaut hat, da müssen dringend drei berufliche Fragen beantwortet werden und man wollte doch eigentlich heute noch nach den Zahlungen auf dem Girokonto schauen… hey, da hat ja Cousine Mathilde geschrieben, wie toll. Von der hat man ja ewig nichts mehr gehört. Mitten im schönsten (schriftlichen) Plausch holt einen aber das schlechte Gewissen ein. Nein, zuerst schreibt man besser die Email an den Steuerberater fertig, der wartet ja schon seit gestern. Upps, wieso ruft denn jetzt Kind 2 schon wieder an von wegen Abholen und so? Hilfe, wo ist denn die ganze Zeit hin? Man hat sie doch gerade erst weggefahren? Und jetzt stehen so viele Aufgaben noch offen, die man alle gerade erst angefangen hat: der Einkauf ist noch nicht ganz verräumt, das Geschirr steht mittlerweile staubtrocken auf der Spüle rum, drei angefangene Emails und das Papier von den Paketen liegt auch noch überall rum. Mittlerweile müsste aber das Essen auf den Tisch, die Kinder verhungern gleich, und der Hund schaut auch schon ganz schief.

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Kennst du das? Passiert dir öfters? Und du hasst solche Tage? Ich auch! Gefühlt hat jeder andere Zeit. Bei Facebook und Instagram sieht man, wie irgendwie gerade jeder Urlaub macht und im Chillmodus ist. Während der eigene Tag irgendwie sofort nach dem Anfang auch schon beendet ist und man nur noch aufs Sofa will.

Welche Möglichkeiten gibt es an solchen Tagen? Ich sage jetzt ganz bewusst nicht, wie man das vorher besser plant. Denn es „ereilt einen“. Es ist nichts, auf was man großen Einfluss hat – sonst würden solche Tage einfach nicht passieren. Man rutscht so rein….

ABER…. man kann es unterbrechen! In dem Moment, wo man merkt, dass man nur noch reagiert statt zu agieren. In dem Moment, wo man merkt, dass der Tag irgendwie an einem vorbeischießt. In dem Moment, wo man merkt, dass eine Aufgabe sich an die nächste reiht, ohne Ende… denn in diesem Moment wird es einem bewusst, was da passiert. Und wenn etwas bewusst ist, dann kann man auch handeln 🙂

Welche Möglichkeiten gibt es?

  • geh auf´s Klo. Ja, ohne Quatsch, geh auf´s Klo. In solchen Überforderungsmomenten reagiere ich aggressiv auf gute Ratschläge wie „Du musst achtsam sein!“. Wäre ich achtsam, würde ich erst gar nicht in solche Situationen geraten. Nein, ich möchte dann nicht achtsam sein. Aber auf´s Klo muss man sogar dann, wenn eigentlich gar keine Zeit da ist. Und dann? Dann ist man wenigstens mal ne Minute raus aus dem Chaos (meistens hat das Badezimmer nämlich einen Schlüssel zum Absperren) und kann sich fassen. Und sich fragen, was man da macht.
  • woher kommen denn all diese Aufgaben plötzlich? Waren die schon gestern da? Also wusste man schon vorher, dass das so ein Tag wird, an dem man einfach viel zu tun hat? Oder hat sich alles irgendwie gerade so ergeben? Spontane Eingebungen? Woher kamen die? Wollte man Zeit sparen, weil man ja gerade „auf dem Weg ist“? Oder sind das alles Aufgaben, die man schon länger vor sich hergeschoben hat? Hätte man sie vielleicht besser auf die To-Do-Liste für morgen geschrieben?
  • was davon ist fremdbestimmt? Welche Arbeiten sind denn „Aufträge von anderen“?Soll man denn „grad mal schnell“ was für andere mitbringen? Oder was erledigen? Dann gib sie wieder zurück. Oft genügt ein kurzer Anruf: „Du, ich schaffe das heute nicht. Du musst das selbst erledigen!“ Und kein Problem, wenn der andere mal kurz sauer ist. Dann fragt er so schnell nicht wieder nach 🙂
  • komplett den Überblick verloren? Dann pfeif auf alle Organizer und Organisationstools. Hol dir ein kleines Blatt Papier (da geht nicht so viel drauf) und schreib schnell alles runter, was dir auf der Seele (oder lastenmäßig auf den Schultern) liegt. Mir persönlich hilft es dann am besten, wenn ich die ganz kleinen Arbeiten, die, die nicht mehr als 5 Minuten brauchen, zuerst erledige. Denn damit wird der Zettel immer leerer und es fühlt sich schon besser an.
  • und den Rest sortiere aus: was geht morgen noch? Was kann man delegieren? Wie kann man die Aufgaben verkürzen? Nicht die ganze Steuererklärung machen, sondern vielleicht nur die Kosten zusammenstellen. Nicht alle Emails auf einmal beantworten, sondern nur die wichtigsten. Nicht die ganze Wohnung putzen, sondern nur die Wohnbereiche. Nicht alle Kinder abholen, sondern nur eines (nein, das war natürlich Quatsch!) Nicht groß kochen, sondern „nur“ ein Brot essen (natürlich mit Belag). Mit der Zeit wird man da ganz schön kreativ.
  • und wenn man Papier und Bleistift auf dem Klo liegen hat, kann man all diese Punkte auch gleich dort überlegen 🙂
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