Das Schlimmste, was passieren kann

 

 

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Mein Mann hat eine Kaffeekanne gekauft. Eine riesige Kaffeekanne. Eine echt riesige Kaffeekanne. Es gehen fast 30 Liter Flüssigkeit rein. „Flüssigkeit“, weil niemand auf die Idee kommen würde, dort Kaffee reinzumachen. Oder?

Wie auch immer, er ist monatelang um die Kanne rumgeschlichen, die in einem Geschäft im Schaufenster stand. Immer mal wieder erwähnt, immer mal wieder angesehen, immer mal wieder dort angerufen. Der Verkäufer beharrte auf seinem Preis, der zwar angemessen, jedoch für meinen Geldbeutel einfach zu teuer war.

Nun, irgendwann konnte mein Mann nicht mehr widerstehen und hat die Kanne doch gekauft. Okay, er ist ja erwachsen und muss mich nicht um Erlaubnis fragen. Aber….ich schwitze jedesmal Blut und Wasser, wenn die Kanne bewegt wird. Sie ist richtig schwer, ich glaube 25 kg. Sie könnte hinfallen. Sie könnte umkippen. Der Deckel könnte abfallen. Das ganze Regal könnte umfallen. Sie könnte meinem Mann aus der Hand rutschen. Ein Hund könnte gegen das Regal springen. All das könnte in unserem Haushalt tatsächlich passieren….

Und dann ….. wollte mein Mann auch noch nach Mettlach, ins Keramikmuseum von Villeroy & Boch. MIT der Kanne!!! Ich habe Blut und Wasser geschwitzt. Die Kanne im Fußraum des Beifahrersitzes. Ich die Beine irgendwie darüber verknotet: eins links, damit mein Mann beim Schalten nicht den Ausguss anschlägt und eins rechts, damit die Kanne nicht mit dem Griff an die Autotür kommt. Aus dem Alter für solche Verrenkungen bin ich eigentlich raus. Und dann noch kurz vor einem Hysterieanfall – am liebsten wäre ich meinem Mann an den Hals gesprungen. Kann er nicht vorsichtig fahren? Muss er überhaupt mit der Kaffeekanne durch die Gegend fahren? Ich neige gelegentlich zu Überreaktionen.

Bevor es eskalieren konnte, habe ich tief durchgeatmet und überlegt: „Was ist das Schlimmste, das passieren kann?“ Nun, die Kanne geht kaputt. Und dann? Es ist total ärgerlich, ich wäre bestimmt auch sauer auf meinen Mann, die Kanne könnte nicht mehr verkauft oder als Werbeobjekt genutzt werden. Aber ist das wirklich so schlimm? Eigentlich… nein. Wir würden uns ärgern, das Geld wäre weg, aber wir wären trotzdem in unserem Alltag nicht eingeschränkt, wir würden darüber hinweg kommen und es hätte auch keine Auswirkungen auf unser Leben oder unsere Gesundheit.

Und als mir das klar wurde, konnte ich entspannen. Wir hatten einen tollen Tag in Mettlach, konnten das Museum besuchen, mit der Leiterin sprechen und uns jede Menge Porzellan anschauen. Während der Heimfahrt musste die Kanne leider auf den Rücksitz (gut abgepolstert) und anschließend kam sie wieder auf das Regal.

Bevor man sich selbst verrückt macht, also einfach mal fragen:

  • was befürchte ich? Was ist das Allerschlimmste?
  • ist es wirklich so schlimm und alle Lebensbereiche umfassend, wie ich es mir gerade vorstelle?
  • oder ist es „nur“ ärgerlich? Sind die Folgen vielleicht eigentlich ganz gut verkraftbar?
  • ändert meine Angst denn überhaupt etwas an der Lage?
  • oder kann ich einfach mal abwarten, entspannen und mich erst aufregen, wenn der „schlimmste Fall“ eingetroffen ist?

 

 

 

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