Eine ruhige und besinnliche Adventszeit? Was ist das denn?

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EINEN WUNDERSCHÖNEN ERSTEN ADVENT

Heute ist der erste Advent. Jetzt fängt die besinnliche Vorweihnachtszeit so richtig an. Der Duft der selbst gebackenen Weihnachtskekse verführt zum Naschen. Alle stehen gemütlich und entspannt in der Küche, die Weihnachtsschürze umgebunden, die nur zu diesem Anlaß aus dem Schrank genommen wird. Es wird Teig geknetet, die Kerzen brennen und der Backofen strömt die Wärme aus. Das ganze Haus ist liebevoll geschmückt. An jedem Fenster hängen kleine Lichter, die morgens und abends die Dunkelheit beleuchten. Im Kleiderschrank stapeln sich schon die Geschenke, liebevoll in Weihnachtspapier umhüllt und mit kunstvollen Schleifen verziert. Kleine Weihnachtsmänner und Engel stehen auf jeder freien Fläche herum, mit Deko-Schnee verziert und mit selbstgemachtem Weihnachtsschmuck der Kinder umsäumt. Die Weihnachtsmusik klingt aus den Lautsprechern…..

…..und wenn das alles bei mir so wäre, würde ich Euch davon ein Foto machen

Irgendwie habe ich das noch nie geschafft. Ich habe aber schon von Frauen gehört, die das hinkriegen. Andere Frauen. Ich gehöre nämlich nicht dazu. Gar nicht. Bei uns gibt es eher so „Vorweihnachtszeit light“. Die Version, die nach außen gut aussieht, die ein wenigstens „Ausreichend“-Gefühl vermittelt und die nicht so viel Zeit kostet. Da bin ich absoluter Profi drin. Deshalb meine allererste Priorität: „Die Vorweihnachtszeit fängt bei mir erst am Ersten Dezember an“. Hört sich super an! Damit lege ich Wert drauf, dass sich Weihnachten nur im Dezember abspielt und nicht schon vorher – reines Konsumdenken, da mache ich doch nicht mit! Gut, dass niemand weiß, dass ich schon Ende September auf der Suche nach Schoko-Lebkuchen bin, weil mein Sohn den so liebt.

Weihnachtsgeschenke – da bin ich echt gut drin. Sagt mein Mann. Denn irgendwann ist ihm aufgefallen, was ich da mache. Ich bestelle ihm tolle Sachen. Eine neue, schicke Winterjacke. Richtig edle Pullover, da lasse ich mich ja nicht lumpen. Schuhe, qualitativ wertvoll, mit Nässe-Membran und garantiert kälte-dicht bis minus 24 Grad. Macht Ihr auch so? Gut. Was ist mein Trick dabei? Einfach mal eine Nummer kleiner kaufen. Die Freude unterm Weihnachtsbaum wird nicht getrübt. Denn es sieht ja alles total schön aus, sehr wertvoll und exclusive. Und man will ja auch nicht unbedingt zugeben, dass man gar nicht in die dicke Jacke reinpasst. Ist ja sowieso kein Problem, der Einzelhandel ist nach Weihnachten so kulant, das kann man ja alles umtauschen. Aber…. wer macht das denn? Mein Mann mit Sicherheit nicht. Er möchte nicht anstehen, er möchte nicht reklamieren, er möchte nicht umtauschen. Muss er ja auch nicht, als gute Ehefrau mache ich das doch selbstverständlich für ihn. Wir sind jetzt seit 22 Jahren zusammen. In den letzten Jahren ist ihm leider aufgefallen, dass sich das immer so abspielt. Und dass er bis Januar vergessen hat, dass ich da was für ihn umgetauscht habe. Denn LEIDER gab es den Pulli / die Jacke / die Schuhe dann nicht mehr in seiner Größe. Und ZUFÄLLIG habe ich dann was für mich gefunden. Totales Schnäppchen und soooo praktisch und ich hatte ja den Gutschein schon in der Hand…..  Der gute Wille zählt schließlich.

Wie gesagt, er hat dann irgendwann gemerkt, dass seine Größe seltsamerweise immer im Januar und Ende Mai (nach seinem Geburtstag) ausverkauft ist. Seither verwende ich ein neues System. Ich schaue, wo ich gerne hinfahren würde. Kurzurlaub in der Eifel. Wochenende im Hambachtal. Ein paar Tage in Holland. Gibt ein wahnsinnstolles Weihnachtsgeschenk für meinen Mann ab Und jeder beneidet ihn um so eine großzügige Ehefrau. An seinem 50. Geburtstag geht es in ein tolles Hotel an der Costa del sol. Er möchte zwar nach Gran Canaria, aber da ist zu dieser Zeit leider kein Hotel mehr frei – das weiß ich jetzt schon.

Weihnachtsdeko – ja, das kann ich. Mein Mann meinte mal, dass ich der einzige Mensch bin, der es schafft, eine komplette Weihnachtsdekoration in weniger als 5 Minuten anzubringen. Ich weiß, da bin ich unschlagbar. Leider, leider haben wir bisher noch nicht mal die Halloween-Kisten gefunden. Also fiel die Halloween-Deko dieses Jahr aus. Spart Arbeit – die müssen wir schon mal nicht wegräumen. Nun habe ich gefühlte 25 Kisten mit Weihnachtszeugs im Keller stehen. Verteilt im ganzen Keller. Das heißt, ich weiß bisher noch gar nicht, wo ich überhaupt suchen soll. Heute ist ja erst der 27.November. Ihr wisst ja, dass ich erst am 1.Dezember anfange. Also habe ich ja noch viel Zeit. Irgendwo müssen sie ja stehen. Gut, dass der künstliche Weihnachtsbaum so groß ist, dass noch nicht mal ich ihn übersehen kann. Nicht aufregen, der kommt in die Ecke vom Esszimmer, zusammen mit dem leuchtenden Weihnachtsdorf, das auch immer groß und breit in der Waschküche steht und gar nicht übersehen werden kann. Es gibt selbstverständlich einen „echten“ Weihnachtsbaum. Den sucht mein Mann gemeinsam mit unserer Tochter aus, bringt ihn heim (alleine das wäre wohl schon einen eigenen Beitrag wert), stellt ihn im Wohnzimmer auf (JEDES Jahr das gleiche Gemotze: der Baum steht nicht gerade, die Seite ist nicht die richtige, wo ist denn schon wieder der Christbaumständer? Ihr kennt das?) und dekoriert ihn. Ich habe einen klugen Mann. Er weiß, dass wir unseren Weihnachtsbaum wohl erst Anfang Januar hätten, wenn er diese Arbeit mir überlassen würde. Beim Schreiben fällt mir auf: doof gelaufen, genau an dieser Stelle, wo der Weihnachtsbaum immer steht, steht dieses Jahr aber ein Aquarium. Das ist ja mal doof. Und jetzt? Keine Ahnung.

Als die Kinder klein waren, gab es eine Regel: „wir machen jeden Tag einen Teil der Weihnachtsdekoration“. Mal ein Zimmer / einen Schrank / die Fenster. Geniale Idee von mir. Ich musste nicht alles auf einmal machen und hatte das sogar noch zu einem Weihnachtsritual ausgerufen. Seit meine Tochter nicht mehr so ganz klein ist, dekoriert sie das ganze Haus an einem Tag. Ist aber echt nicht meine Schuld, wenn sie so ungeduldig ist.

Weihnachtskekse – ich mag keine Kekse. Zumindest keine selbst gebackenen Kekse. Zumindest keine von mir selbst gebackenen Kekse. Die von anderen schon. Jahrelang habe ich mit den Kindern Kekse gebacken. Nicht, weil wir die essen wollten. Sondern weil es ihnen so viel Spaß gemacht hat, aus dem Teig etwas auszustechen und mit bunten Perlen zu verzieren. Ich weiß noch, dass ich mal der absolute Hit beim Grundschul-Kekse-backen war, weil ich eine Ausstechform vom Ikea-Elch hatte. Nun sind sie groß – Töchterchen backt selbst. Ich schaue zu, wir blödeln rum, wir probieren gemeinsam – und machen nachher gemeinsam die Küche sauber. Es hat auch seine Vorteile, wenn die Kinder groß werden. Mein Favorit jedes Jahr ist ein Rezept meiner Freundin (die kennt mich schon länger ): Schokoladenkekse vom Backblech. Alles zusammenrühren (wenn Mandeln fehlen, kann man Haselnüsse nehmen; wenn Haselnüsse fehlen, nimmt man Schokostreusel – ich habe schon alle möglichen Variationen durch, weil mir immer irgendwas fehlt), ab aufs hohe Backblech, backen und danach in längliche Vierecke schneiden. Das krieg sogar ich hin. Vor allem, seit wir einen Backofen haben, bei dem man die Backzeit einstellen kann. Nun ja, nicht „man“, sondern meine Tochter. Ich lege sehr viel Wert drauf, dass sie zu Selbständigkeit erzogen wird.

Und so schaffe ich mir meine Freiräume in der Vorweihnachtszeit. Gut, dass ich keine Zeit für ein schlechtes Gewissen habe. Es gibt gerade jetzt so viele Angebote, wie man sich diese Zeit geruhsam und stressfrei gestalten kann / soll / MUSS. Jeden Tag trudeln mindestens 5 entsprechende Emails in meinem Postfach ein: Adventsmeditation, Burnout-Vorsorgetipps, Entspannungsrituale. Und ja, alleine schon das löst eine Stressreaktion bei mir aus. Man kann nicht alles machen. Entspannung auf Knopfdruck funktioniert nicht. Schließlich ist gerade das jetzt die Zeit, in der in unserem Porzellankeller am meisten gekauft wird. Da ist garantiert wenig Zeit für Entspannung und für Entschleunigung. Was mache ich also? Ich sammle all diese genialen Angebote und Vorschläge für die Zeit nach Weihnachten. Denn da möchte ich es mir gemütlich machen. Da möchte ich Zeit für die Kinder haben – und für mich. Da kann ich das gut gebrauchen. Deshalb bleibt die Weihnachtsdekoration bei uns auch laaaaange hängen. Sehr lange. Weil ich die Lichtchen so gerne mag. Weil ich dann Zeit habe, entspannt zu genießen. Weil ich ganz rührselig werde, wenn ich sehe, was die Kinder früher im Kindergarten- und Vorschulalter gebastelt haben (das hebe ich alles auf). Weil ich Ferien liebe, denn dann sind die Kinder daheim und haben Zeit für mich.

Und jetzt…. jetzt schaue ich mal, wo ich am ersten Advent, an einem Sonntag, noch einen Adventskranz herbekomme.

 

Meine Seite bei Facebook findet ihr unter: Chaotisches Leben. Es würde mich freuen, wenn ihr mich dort besucht – und bleibt.

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